Interview: Harriet Klement von Yescapa

Harriet Klement, County Manager von Yescapa Deutschland (6. Person v.l.)

Frau Klement, welches Problem wollen Sie mit Yescapa lösen?

Eine der beliebtesten Urlaubsformen für Bundesbürger ist der Campingurlaub. Zur Sommersaison tummeln sich Wohnwagen und -mobile auf Deutschlands Straßen. Die kostenintensiven Reisemobile werden im Schnitt aber nur 20 Tage pro Jahr von ihren Eigentümern genutzt. Die übrige Zeit verbringen sie ungenutzt in Hallen oder am Straßenrand.

Inspiriert von der Idee der Share Economy und der Welt des Campings, haben wir eine Plattform geschaffen, auf der Wohnmobileigentümer ihre Reisemobile zur Miete anbieten können und sie somit Kosten sparen oder sogar Gewinn machen. Und Mieter bekommen ein günstiges Alternativ-Angebot für einen Campingurlaub.

Was sind die größten Vorteile für Mieter und Vermieter von Wohnmobilen?

Alle unsere Nutzer sind über eine maßgeschneiderte Vollkaskoversicherung abgesichert, die speziell auf das An- und Vermieten von Wohnmobilen und -wagen zwischen Privatpersonen ausgerichtet ist und einen 24 Stunden Assistance-Service anbietet – und dies 7 Tage die Woche. Diese Versicherung ersetzt während des Mietzeitraums die Versicherung des Vermieters und schützt Mieter und Vermieter gleichermaßen.

Vermieter können ihrem ungenutzten Fahrzeug mit der Vermietung einen neuen Sinn geben und die laufenden Kosten wieder reinholen und Mieter haben die Möglichkeit, eine günstigere Alternative zum gewerblichen Vermieter zu finden. Auch der persönliche Austausch zwischen Mietern und Vermietern ist beiden Seiten oft sehr wichtig. Über Yescapa wurden schon tiefe Freundschaften geschlossen.

Wie prüfen Sie Qualität und Zustand der Camper?

Egal ob Mieter oder Vermieter – für beide muss Vertrauen groß geschrieben werden, damit die Erfahrung des Wohnmobil-Sharings positiv verläuft. Aus diesem Grund überprüft unser Team die Identität eines jeden Nutzers. Des Weiteren verlangen wir von jedem Vermieter verschiedene Dokumente wie zum Beispiel das TÜV Zertifikat. So gehen wir sicher, dass nur fahrtüchtige Fahrzeuge vermietet werden. Zudem können sich die Nutzer untereinander bewerten und somit anderen Mitgliedern helfen, sich ein Bild zu machen.

Es gibt eine ganze Reihe von Startups, die Wohnmobile vermitteln. Wie setzen Sie sich gegen diese durch?

Wir waren eine der ersten Plattformen für die Vermietung von Wohnmobilen zwischen Privatpersonen überhaupt. In den knapp fünf Jahren, in denen wir bereits tätig sind, haben wir viele Erfahrungen gesammelt. Unsere Plattform wurde in insgesamt sieben Sprachen übersetzt und wir haben ein internationales Team mit zehn verschiedenen Nationalitäten. Für die Vermieter ist unser Service 100% kostenfrei und in Deutschland können wir Fahrzeuge bis zu 7,5 Tonnen mit der Allianz versichern. In Frankreich und Spanien sind wir bereits Marktführer und haben mit über 3.000 Fahrzeugen die größte private Wohnmobilflotte Europas.

Erwarten Sie auf Ihrem Markt eine Konsolidierung auf Anbieterseite?

Derzeit gibt es vier große Wohnmobilvermietplattformen auf dem deutschen Markt. Andere internationale Anbieter möchten ebenfalls bald den deutschen Markt erobern. Jeder Anbieter möchte es mit seinem eigenen Konzept auf dem Markt versuchen. Ob sich Konsolidierungen ergeben werden und wann, steht daher noch in den Sternen.

Welches sind Ihre wichtigsten Märkte?

Logischerweise haben wir in den Ländern, in denen wir bereits länger auf dem Markt sind, die meisten Fahrzeuge – also in Frankreich und Spanien. Allerdings ist es unser Ziel, Deutschland zu unserem wichtigsten Markt zu machen. Die Deutschen lieben Campingurlaub und Wohnmobile. Hierzulande findet man auch die meisten Wohnmobile und -wagen in Europa. Daher liegt diese Entscheidung nah.

Wo steht Yescapa in drei Jahren?

Im Moment legen wir unseren Fokus auf den deutschen Markt, da dieser großes Potential hat. Gleichzeitig arbeiten wir natürlich stets daran, unsere bereits bestehende Flotte zu vergrößern. Des Weiteren möchten wir uns auch auf andere europäische Märkte begeben, damit immer mehr Menschen diese unglaublich befreiende Art und Weise des Reisens kennenlernen können.

Was schreiben Sie über die Gründung von Yescapa in Ihren Memoiren?

2012 starteten wir unseren Service in Frankreich unter dem Namen “JeLoueMonCampingCar” (zu Deutsch: IchVermieteMeinWohnmobil). Die Idee kam vom Gründer und Geschäftsführer – Benoît Panel, der 2011 selbst auf der Suche nach einem zu mietenden Wohnmobil für seinen Urlaub in England war. Die Angebote, die er fand, waren ausschließlich von gewerblichen Vermietern und somit überteuert. Da kam ihm die Idee eine Plattform zu schaffen, auf der Eigentümer ihre Wohnmobile vermieten können, um somit ein günstigeres Angebot für Mieter zu schaffen.

Adrien Pinson, den Mitgründer, lernte er auf einem StartUp Wochenende kennen. Mit bereits 18 Jahren hatte Adrien ein Computerspiel programmiert, das über 3.000 Spieler zählte. Er brachte das technische Know-how mit, das es für das junge StartUp brauchte.

Dank des internationalen Erfolgs lag die Namensänderung nah und somit beschlossen wir 2016, für den Launch der deutschen Version der Plattform das Unternehmen in Yescapa (Mischung aus dem Englischen “yes” und “escape” also Ausbruch aus dem Alltag) umzubenennen.

8. März 2017

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